Brücken bauen für respektvolles Miteinander

"Mühlhausen ist solidarisch“ – zur Erinnerung an die in der Corona-Pandemie Verstorbenen und als Zeichen gegen Hass und Hetze kamen Montagabend rund 150 Menschen auf dem Untermarkt zusammen.

Unter den Rednern des Aktionsbündnisses war auch Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns. Die vollständige Ansprache können Sie hier nachlesen:

+++++++

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

jeder in Deutschland hat das Recht, friedlich gegen Corona-Maßnahmen zu protestieren. Und ja, ich habe Verständnis dafür, wenn Gastronomen, Einzelhändler und Friseure - also Bürgerinnen und Bürger aus der Mitte der Gesellschaft - gegen die 2G oder die 2G+ Regel auf die Straße gehen. Viele kämpfen um ihre Existenz und haben Angst vor der Zukunft.

Dass sie demonstrieren, ist völlig in Ordnung. Denn es gilt gerade in einer Demokratie wie unserer der Spruch des französischen Philosophen Voltaire: „Ich bin nicht einverstanden, was Sie sagen, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie es sagen dürfen.“

Mir fehlt aber dann das Verständnis, wenn sie zusammen mit jenen durch Mühlhausen ziehen, die rechtsextrem sind, die den Reichsbürgern zugeordnet werden – also jenen, denen es nicht um Corona oder um die Impfpflicht geht, sondern die unseren demokratischen Rechtsstaat angreifen.

Sie sind es, die den Protest für ihre Zwecke instrumentalisieren. Sie sind es auch, die den Staat und ihre Repräsentanten verächtlich machen und angreifen. Wer von einer Corona-Diktatur redet und Regeln nicht einhält, macht genau dies.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich danke insbesondere auch den Polizistinnen und Polizisten, die uns und die Demonstrationsfreiheit schützen. Wir alle möchten Ihnen unsere Wertschätzung ausdrücken, weil sie mittlerweile sehr oft fehlendem Respekt und gar tätlichen Angriffen ausgesetzt sind.

Eines möchte ich noch einmal deutlich sagen: Spätestens seit Bernd Höcke hier an gleicher Stelle nach einem Montagssparziergang gesprochen hat, muss jedem klar sein, auf wen und auf was er sich eingelassen hat.

Liebe Mühlhäuserinnen und Mühlhäuser hier auf dem Untermarkt,

ich danke Ihnen für Ihren Mut, dass Sie heute ein Zeichen für Demokratie, Recht und Freiheit setzen. Und ich danke Ihnen auch dafür, dass Sie sich seit gut zwei Jahren solidarisch und verantwortungsvoll verhalten haben.

Ich möchte aber auch diesen Abend zum Anlass nehmen, für eines werben:

Helfen Sie mit, Menschen nicht aufzugeben. Wo immer sich Kollegen, Nachbarn und Verwandte abwenden, müssen wir es versuchen, diese Menschen zurückzuholen. Wir müssen Brücken bauen und die unsägliche Sprachlosigkeit überwinden. Dies wird unsere Aufgabe der nächsten Jahre sein!!!