





Gemeindeschenke und zugehörige Objekte
Die Geschichte der unterhalb des Angers gelegenen Gemeindeschenke, heute Gaststätte „Zur Schänke“, lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Herbergsrecht wurde dem Ort schon um 1300 verliehen. 1570 empfiehlt der damalige Pastor Schneising den Bau eines Gemeindebackhauses beim Kirchhof. Im Jahr 1873 erhält die Schenke Hofraum und zusätzliche Wirtschaftsgebäude. Der Schenkwirt hatte für die Gemeinde die zur Zucht nötigen Ochsen und Eber zu halten. 1876 wird der Beschluss gefasst, das alte, baufällige Gebäude abzureißen und an seiner Stelle einen Neubau zu errichten. Am Erntedankfest im Oktober 1896 wird die neue Gemeindeschenke, so wie sie im Grunde bis heute erhalten ist, eingeweiht. In den nachfolgenden Jahren wird die Gemeindeschenke meist für 5 bis 6 Jahre an einheimische Bürger verpachtet. Neben der Schankwirtschaft müssen sie auch den Backofen betreiben und das Zuchtvieh versorgen. Der Backofen wird noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts betrieben. Im März 1974 wird er abgebrochen. Bereits 1973 werden die Stallgebäude entfernt und an ihrer Stelle Toilettenanlagen errichtet. Nach 1990 erfolgt die Privatisierung und umfangreiche Instandsetzungen und Neubauten durch die Brüder Heino und Dolf Hesse. Die Schankwirtschaft erhielt ihren heutigen Namen „Zur Schänke“.
Gemeindeschenke und zugehörige Objekte






Bürgermeisteramt | Konsum
Neben der Gemeindeschenke standen bis zum Abriss 1998 ein Mehrzweck- und einige Wirtschaftsgebäude. Das Erdgeschoß des Mehrzweckgebäudes wurde zu DDR-Zeiten als Verkaufsstelle der Konsum-Genossenschaft genutzt. Im Obergeschoß befand sich bis 1968
das Bürgermeisteramt. Danach wurden die Räume einige Jahre als Produktionsräume der Puppina genutzt. Hier wurden Biggi Puppen für die Puppenfabrik Waltershausen, teilweise auch in Heimarbeit, hergestellt. Die Wirtschaftsgebäude um den Innenhof wurden als Toilettenanlage für die Gemeindeschenke und als Heizhaus für die umliegenden Objekte und die Kegelbahn genutzt. Nach dem Rückbau der teils baufälligen Gebäude wurde durch die Brüder Heino und Dolf Hesse die Immobilie komplett umgestaltet. Es entstand ein Komplexgebäude mit Verkaufs- und Gewerberäumen im Untergeschoss, mit darüberliegenden Mietwohnungen.






Geschichtlicher Abriss
Das Herbergsrecht wurde dem Ort 1300 verliehen, was bedeutet, dass schon ein einfacher Gasthof, eine Unterkunft, für Durchreisende vorhanden war. Gasthof „Zur Tanne“ wäre eine Möglichkeit.
1570 gab es noch keinen gemeinsamen Backofen in Höngeda, also kein Gemeindebackhaus. Der damalige Pfarrer Schneising empfiehlt den Bau eines solchen beim Kirchhof.
Die meisten alten Einträge zur Schenke findet man bei den Gastwirten. So wurde
1654 ein Bäcker genannt.
1824, 1826Johann Christoph Muscat Schenkwirt und Bäcker Das Backhaus hatte die Hausnummer 2
1827 – 1831 Johann Christoph Muscat Pächter des Gemeindebackhauses und Schenkwirt. Er stirbt 1831 und war seit 1823 verheiratet mit Anna Regina Reinhardt.
1833 - 1837 Andreas Janson Bäcker und Wirt. Bei Heirat des Sohnes 1875 wird er als ehemaliger Gastwirt genannt.
1838 - 1848 Carl Friedrich Pönicke (gebürtig aus Seebach) Er verstirbt 1855 mit 45 Jahren an Typhus. Er war verheiratet mit der Witwe Anna Regina Muscat, geb. Reinhardt aus Mühlhausen.
1855 - 1873 Christian Schollmeyer bot nach 18 Jahren nicht wieder auf die Gemeindeschenke
1873 erhielt die Gemeindeschenke angemessene Wirtschaftsgebäude und Hofraum.
1874 – 1875 Wilhelm Eisenhardt und Christoph Eisenhardt gaben vor der Zeit auf
1876 am 1. April wird die Schenke an den Ackersmann Wilhelm Theodor Aderhold (Bruder von Theodor Aderhold, Schmied) verpachtet. Schon ab März wurde die Gemeindeschenke zum sofortigen Abbruch verkauft. Von dem Brauchbaren baute sich der Stellmachermeister Ch. Stephan neben dem Pfarrgarten ein Haus. Am gleichen Platz wurde nach Plänen des Amtsvorstehers Janson die neue Gemeindeschenke gebaut, und zwar von der Firma Wilke u. Köppe aus Mühlhausen. An das Gebäude wurde ein Anbau gesetzt. Im Erdgeschoss ein Schankzimmer, ein großes Zimmer für Versammlungen der Gemeinde, im 1. Stockwerk ein eleganter Tanzsaal und Fremdenzimmer. Auch im 2. Stock entstanden Fremdenzimmer. Dasselbe wurde Erntedankfest am 04. 10.1896 mit einem Konzert der hiesigen Liedertafel, Ansprachen und Ball eingeweiht.
1878 Wie schon früher einmal, ist Höngeda mit einer Königlichen Deckstation bedacht worden. Auch 1879 hielt sich der Königliche Gestütsbedienstete mit seinen 3 Hengsten vom 18. Januar bis Ende Juni auf. Früher nahm ein Privathaus die Station auf, nun ist die darauf eingerichtete Gemeindeschenke ihr Sitz.In der Zwischenzeit hatte hier eine Privat-Deck-Station bestanden. Die Gefahr, die Deckstation zu verlieren wurde dadurch abgewandt indem die Gemeinde einen neuen Stall baute. Bereits 1835 wurde die Beschälstation Höngeda zur Veredlung der Pferdezucht mit einigen Beschälern genutzt. Eine amtliche Meldung des Landrates von Hagen des Kreises Mühlhausen sagt aus, dass 2 Tage nach Eintreffen der Pferde die Bedeckung stattfindet. Es wurde bemerkt, daß die in den letzten Jahren bedeckten Stuten nicht alle zugekommen sind. Grund dafür soll sein, so laut Gutachten der Sachverständigen, daß den bedeckten Stuten zu wenig Schonung und Aufmerksamkeit gewährt wurde. Am 4. Juli 1835 wird den Pferdezüchtern bekannt gemacht, daß zum Einbrennen der in Folge vorjähriger Bedeckung mit Beschälern des Königlich Preußischen Sächsischen Landgestütes, in diesem Jahr geborenen Fohlen der Termin 28. Juli ist. Für Höngeda bezeichnet wurde mit Königlicher Krone und dem Buchstaben „S“ durch den Königlichen Gestütsofficianten.
1885 Höngeda stand in Gefahr, die königliche Deckstation zu verlieren. Dieselbe wurde abgewandt, indem die Gemeinde einen neuen Stall baute. Das alte Armenhaus wurde abgerissen und die nötigen Räume für die Armen als ein Stockwerk auf den Stall gesetzt.
1881 Die Gemeinde beschloss im Juni die Restoration des Tanzsaales.
1899 Johann Gottfried Schreiber, Schenkwirt
1906 - Karl Luhn
1906 – 1912 übernimmt Landwirt Christoph Giese die Gemeindeschenke
1915 – 1921 ist Wilhelm Beck Landwirt Gastwirt
1921 – 1926 übernimmt Karl Schade Schenke, die Kolonialwarenhandlung und Bäckerei
1926 - 1938 Wilhelm Schäffer (01.04.1926 – 31.03.1938)
Am 11.03.1938 stellte Fritz Schwarzkopf bei der Kreisverwaltung Mühlhausen einen Antrag auf Konzession, der wie folgt beschieden wurde:
Wir möchten vor der Erteilung dieser Schankerlaubnis einige Bedenken geltend machen, welche erst nach Erfüllung gewisser Voraussetzungen und Auflagen uns in die Lage versetzen, der Konzessionserteilung zuzustimmen.
- Die Beschaffenheit der gesamten Gemeindeschenke in Höngeda entspricht nicht den Anforderungen, welche an eine ordentliche Gaststätte zu stellen sind. Die Anforderungen sind ganz klar in den wiederholten Verfügungen des Gauleiters klar gelegt und müssen bei Gemeindebetrieben in erster Linie erfüllt werden. Ganz umfassende bauliche und sanitäre Erneuerungen sind daher als Auflage notwendig.
- Der Fußboden in der Gaststube rechts des Hausflures weist sehr viele schadhafte Stellen auf. Teilweise ist die Abnutzung derart stark, daß eine Frau mit kleinem Absatz zwischen den Fugen hängen bleiben kann und zu Schaden kommt. Eine Neudielung dieses Raumes ist erforderlich.
- Die Getränkeschankanlage muß gründlich erneuert werden und sich den Vorschriften der Polizeiverordnung vom 1.9.1936 anpassen.
- Die Toiletten müssen an andere Stelle verlegt werden. Dabei scheint uns eine räumliche Trennung der Männer- und Frauenaborte geboten. Der jetzige Zustand ist nicht mehr haltbar.
Wir dürfen bitten, diese Auflagen zu machen und die Herrichtung von der Gemeinde vor Erlaubnis zu fordern. Wenn der Pächter erst die Konzession hat, dann wird sich die Gemeinde schwerlich zu diesen Arbeiten entschließen, andererseits kann man dem Pächter nicht zumuten, Arbeiten an einem ordentlich zu übergebenden Pachtobjekt auszuführen. Fernerhin wurde folgendes bemängelt: Schon immer haben wir uns dagegen gewandt, daß bei den Gemeindeschenkbetrieben die Zuchtviehhaltung angegliedert ist. In Höngeda hat der Schenkpächter sowohl die Zuchtbullen, wie auch die Eberhaltung zu gewährleisten. Unsere Bedenken sind sowohl von sittlichen, wie auch von geldlichen Gründen getragen. Es ist nicht angängig, wenn auf dem jeden Gast zugängigen Hofe die Zuchttiere ihre Fortpflanzungstätigkeit ausüben. Ohne prüde zu sein, stellen wir fest, daß dies beispielsweise auf das Gemüt eines Jungen oder Mädchens Wirkungen ausüben kann, die nicht gewollt sind. Vielleicht wird dies bei Stadtbewohnern als ungewohnte Sache noch störender wirken als bei Dorfbewohnern. Zudem können bei dem Geschäft auch Beschmutzungen eintreten, welche unbeachtet zu einer Verunreinigung der Genußmittel führen können. Die finanzielle Seite hinwiederum ist so, daß der Schenkwirt diese Zuchttierhaltung ohne irgendeine Entschädigung durchführen muß, d.h. er ist gezwungen, von seinem Gaststätten- und sonstiegn Geschäftsgewinn Zubussen dafür zu leisten, daß der Höngedaer Landwirtschaft gute Zuchtergebnisse kostenlos zufließen. Das ist kein Nationalsozialismus. Richtig ist es, wenn für eine Leistung auch eine Gegenleistung gewährt wird. Wir führen an, daß z.B. in Ammern der Bullenhalter sein sogenanntes Bullenland bekommt, daß er weiterhin eine Vergütung aus der Rinderabgabe erhält. Über die Erledigung der Auflagen liegen keine Erkenntnisse vor.
1938 – 1945 Fritz Schwarzkopf (01.04.1938 - Mai 1945)
1945 – 1946 Gottfried Abe (Juni 1945 – Dezember 1946)
1946 – 1953 Albert Bischoff
Nach der Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft „Heinrich Pfeiffer“ ging die Verwaltung der Gemeindeschenke mit Billigung des Gemeinderates, unter Bürgermeister Wanitschke, an diese über. Die Wirte in dieser Zeit waren
1953 Arno Abe (April 1953 – 21.11.1953)
1951 fand eine Saalerneuerung durch Max und Konrad Seidel statt.
1953 – 1956 Hermann Jessing (22.11.1953 – 14.04.1956)
1956 wurde eine neue Klosettanlage im Hof der Schenke gebaut.
1956 – 1957 Fritz Schwarzkopf (15.04.1956 – 31.05.1957)
Ab Juni 1957 wurde die Gemeindeschenke dem Konsum verpachtet.
Wirte unter Verpachtung des Konsums waren:
Ab 01.06.1957 Hermann Jessing
Es folgten Schmöller, Arndt Heß, Herbert Gutmann, Horst Fechner und Johann Beintner
1965 -1967 Günter Schuchardt (26.04.65 – 23.05.67)
1969 – 1970 Günter Schuchardt (01.07.69 – 30.04.70)
1973 Abbruch des Stallgebäudes sowie der Seitenfront, Erneuerung Westgiebel, Errichtung einer neuen Toilettenanlage.
1974 – am 09.03. 1974 erfolgte der Abbruch des Backofens
1981 - 1983 Georg und Gudrun Frank
Seit dem 10. September 1990 ist die Familie Hesse (Heino, Dolf und Sandra Scholl) Besitzerin der Gemeindeschenke, die seit dieser Zeit Gasthaus „Zur Schänke“ Höngeda heißt. Die heutige Adresse ist Landstraße 117.